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21. Juni 2015 - Schwichteler

„Christen machen sowas nicht. Niemals!“

Jugendgottesdienst am Weltflüchtlingstag

Betretenes Schweigen herrschte am Samstagabend in der gut gefüllten St. Maria Immaculata Kirche als Advesom (26) und Michael (21) über die Verhältnisse in ihrer Heimat Eritrea und über die erlebte Flucht berichteten und damit in das anspruchsvolle Thema der Jugendmesse einführten. Anlässlich des Weltflüchtlingstages hatten Katholische Landjugend, Jugendschola sowie ein Vorbereitungskreis aus Schwichteler eingeladen und einen Gottesdienst unter dem Motto „Fluchtwege. Entwurzelt - und dann? Abgehängt oder angekommen?“ gestaltet.  Besonders begrüßte Heiner Zumdohme, Landesjugendseelsorger im Offizialatsbezirk Oldenburg, unter den rund 200 Gläubigen acht junge Eritreer, die nach ihrer Flucht seit Herbst 2014 in Cappeln leben.

Jugendpfarrer Zumdohme mit Smartphone im Gottesdienst

„Nur als Asylant ist deine Existenz in Deutschland bedingungslos gesichert, nicht jedoch als Deutscher,“ zitierte Jugendpfarrer Heiner Zumdohme exemplarisch für unzählige Stammtischparolen einige echte Twitternachrichten.

 „Es ist zum Davonlaufen! Den Satz kennen wir alle“, eröffnete Zumdohme seine Predigt und sprach über Alltagssorgen und persönliche Ärgernisse. „Unsereins fährt dann zwei Stunden Motorrad“, erzählte der Jugendpfarrer, und jeder habe eigene Methoden, um darauf zu reagieren. Aber wirklich davonlaufen geschehe nicht so einfach. „Wir haben Dinge, die uns davon abhalten. Familie, Freunde, Job, ein Eigenheim“, begründete er. „Heute haben wir Menschen unter uns, die ihres Lebens bedroht, diesen letzten Ausweg wählen mussten. Auf ihrer Flucht ertrugen sie Durst, Hunger und Lebensgefahr auf dem Meer. Das macht man nicht einfach so!“

Trotzdem würden Flüchtlinge in Deutschland häufig mit Vorurteilen konfrontiert. „Viele Asylanten sind hochqualifizierte Elefanten-Jäger, Wacka-Wacka-Tänzer, und Hirse-Stampfer“, las Zumdohme exemplarisch für unzählige Stammtischparolen eine echte Nachricht von Twitter-Nutzer ‚geht ja wieder‘ vor. Mehrere solcher Parolen wurden durch das Nachrichtenportal katholisch.de in einem Video zum Weltflüchtlingstag veröffentlicht, echte Flüchtlinge tragen darin echte Twitter-Nachrichten vor. „Nur als Asylant ist deine Existenz in Deutschland bedingungslos gesichert, nicht jedoch als Deutscher,“ zitierte Zumdohme vor den betretenen Zuhörern eine weitere Nachricht.

Zum Themenschwerpunkt

„Die Wahrheit sieht anders aus,“ stellte der Jugendpfarrer anschließend fest, Flüchtlinge ließen nicht leichtfertig ihre Heimat zurück. „Als Christen beteiligen wir uns nicht an solchen Vorurteilen, Christen machen sowas nicht. Niemals!“ schärfte er mehrfach ein, schon Jesus sei Flüchtling gewesen, deshalb seien Christen zutiefst solidarisch mit jedem der flüchtet. „Wir müssen Menschen, denen wir begegnen, Mut und Hoffnung schenken und Ängste nehmen“ betonte er. „Alle, die meinen bei Demonstrationen gegen Islamisierung Ängste schüren zu müssen und damit christliche Werte hochhalten wollen, sollen sich erstmal selbst an diese christlichen Werte halten,“ forderte er.
Zum Schluss seiner Predigt, die in einen langen Applaus mündete, dankte er allen, die sich in der Region um Flüchtlinge kümmern und versuchen, ihnen ein Stück Heimat zu bereiten.
Nach dem Gottesdienst luden die Veranstalter zur Begegnung vorm Kirchturm ein, die Einnahmen und gesammelten Spenden sind zugunsten einer neuen Fahrradwerkstatt, die in Cappeln für Flüchtlinge errichtet werden soll.